Wanderrudern – zum Wanderrudertreffen 2008

Nach dem gelungenen Wanderrudertreffen 2007 in Bremen waren 2008 die Berliner gefordert. Zum 125-jährigen Jubiläum des Deutschen Ruderverbandes führten dann 6 Berliner Vereine und der Landesruderverband diese Veranstaltung durch. Der RaW stellte zwei Boote zur Verfügung.

Unsere „Irma“ (benannt nach der Sponsorin Irma Schwarz) war eines der beiden Boote. Für uns Damen war es klar, dass wir „Irma“ nach Grünau zum RC Turbine Berlin rudern würden. Gut trainiert von unserer Fahrt nach Brandenburg/Havel (Bericht KN Nr. 659) begab sich am 9. 9. um 9.00 Uhr die Crew Gisela Offermanns, Brigitte Schoelkopf, Eva Braun, Bärbel Rimann-Kettelhoit und Anita Lüder auf die 42 km lange Rudertour, deren längste Strecke der Teltowkanal war. Petrus bescherte uns einen unvergesslich schönen Spätsommertag. Die Morgenstimmung im Kleinen Wannsee, Pohlesee und Stölpchensee ließ uns den Herbst erahnen. Doch bereits an der Sportbootwartestelle der Schleuse Kleinmachnow war der Sommer wieder da und die ersten 8 km des Teltowkanals geschafft.

Die Wartezeit von 1 ½ Stunden wurde unterhaltsamer durch den Blick auf die markanten Schleusengebäude, deren Grundstein 1901 gelegt wurde. 1906 fand die feierliche Eröffnung durch Kaiser Wilhelm II. statt, der mit seiner Yacht „Alexandria“ als erster den Teltowkanal durchfuhr. Außerdem rätselten wir, welche der drei Schleusenkammern sich wohl für uns öffnen würde. Endlich wurde die linke Kammer geöffnet, die uns ganz allein für die Überwindung von 2,74 m zur Verfügung stand. Nach einer erfrischenden Dusche vom geöffneten Hubtor suchten und fanden wir – nun noch 30 km Teltowkanal vor uns – die Bäke, die in Steglitz entspringt und größtenteils im Teltowkanal aufgegangen ist.

Bei Kanal-km 20,2 am Edenkobener Steg wurden wir von unserer Ruderfreundin Margot Schädlich-Hartmann mit ihrem Mann begrüßt, die uns zu einem reichhaltigen Picknick mit vielen Köstlichkeiten einluden. Margot hat sich mindestens einen goldenen Kochlöffel verdient! Wohl gestärkt und guten Mutes ging es nach der einstündigen Pause weiter vorbei am Tanklager, das uns an die undurchschaubaren Treibstoff- und Heizölpreise erinnerte. Für uns alle interessant war der neu gestaltete Hafen Tempelhof. Zur Kaffeepause bei Kanalkilometer 28,5 legten wir am Steg der Rudergesellschaft Wiking an.

Das hier beginnende Teilstück des Teltowkanals war zu DDR-Zeiten gesperrt und ist seit der feierlichen Einweihung im April 2000 wieder befahrbar. Nun war der Hauptteil des Kanals und unserer Fahrt geschafft und die gute Laune hatte uns zu keiner Zeit verlassen. Nach fast 38 km Teltowkanal hatten wir die Dahme erreicht und nun war unser Ziel, der Ruderclub Turbine Berlin an der Regattastrecke Grünau, nicht mehr weit. Wir wurden nett empfangen und „Irma“ erhielt die Start-Nummer 158 für das Wanderrudertreffen 2008.

Gisela Offermanns und Martin Bachmann vertraten den RaW als Obleute. 500 Ruderinnen und Ruderer in über 100 Booten ruderten am Sonnabend, den 13. September, über Dahme und Spree zum Hohenzollernkanal.

Die 38 km lange Tagesfahrt ging vorbei an der Altstadt Köpenick, den Treptowers, der East-Side-Gallery, dem Berliner Dom, der Museumsinsel, dem Reichstag und dem Bundeskanzleramt. Der starke Verkehr von Fahrgastschiffen und Motorbooten und die Mühlendammschleuse waren zeitweilig eine Herausforderung für Ruderer und Steuerleute. Am Ziel, dem Ruder-Club Phönix, hörte man von den Teilnehmern viel Lob und Begeisterung über das schöne Berlin mit seinen vielfältigen Ruderrevieren.

Der festliche Abschluss fand am Sonntag im historischen Plenarsaal des ehemaligen Bundesverwaltungsgerichts in der Hardenbergstraße in Charlottenburg statt. Das Gebäude wurde 1907 nach zweijähriger Bauzeit als Preußisches Oberverwaltungsgericht fertigge-stellt.

Um „Irma“ wieder in ihren Heimathafen zurückzuführen, traf sich die Damen-Crew am Dienstag, den 16. September, wiederum um 9.00 Uhr im RaW. Im Wechsel mit Brigitte Schoelkopf nahm Marlies Reisse an dieser Rudertour teil. Per S-Bahn und Bus fuhren wir nach Spandau zu Phönix. Auch hier war uns Petrus gnädig, allerdings schickte er uns einen eiskalten Nordost-Wind, der uns zum Warmhalten schneller rudern ließ. Da die Schleuse Spandau mit einer Bootsschleppe ausgerüstet ist, entfiel die lästige Wartezeit. Während ein polnischer Schuber geschleust wurde, konnten wir in Ruhe mit Hilfe des Bootswagens die Hubhöhe von 2,4 m überwinden.

Die gepflegte Steganlage und das schöne Grundstück der „Friesen“ luden zum Anlegen für die Mittagspause ein. Kaiser Wilhelm begegnete uns wieder am Grunewaldturm. Zu Ehren von „Herrn Lehmann“ spendierte Eva Braun einen Umtrunk, der uns die notwendige Wärme für die letzten Kilometer der Fahrt brachte. Unser Wanderrudern zum Wanderrudertreffen endete gegen 15.30 Uhr im RaW, wo wir von den Filmemachern des ZDF mit den Worten „Ruhe, wir drehen“ empfangen wurden.

Anita Lüder