Schweden 2005: Ed - Göteborg
[22.-23.7.] [24.7.] [25.7.] [26.7.] [27.7.] [28.7.] [29.7.] [30.7.] [31.7.] [1.8.] [2.8.] [3.8.] [4.8.] [5.8.] [6.8.]
Anreise: Freitag 22.07. - Samstag, 23.07.
Es war furchtbar anstrengend... Alles fing am 22.07. um 21:45 Uhr an. Wir stiegen am ZOB Berlin in den Bus, der uns via Kopenhagen nach Uddevalla bringen sollte. Nach fünf Stunden Fahrt stellten auch die letzten das "Gelaber" ein. Nur Urs und Rudi nicht, denn die unterhielten sich lebhaft mit anderen Fahrgästen. Gegen 2:00 Uhr setzten wir von Puttgarden (Insel Fehmarn) mit einer Autofähre über nach Rödby (Dänemark). Die Fahrt dauerte 45 Minuten. Es war ganz schön windig an Deck. In Kopenhagen hielt der Bus um 5:00 Uhr an und wir erfuhren, das wir jetzt eine Stunde Aufenthalt hatten. Dieser wurde für den dringenden Gang zur Toilette genutzt, den das Bus-WC war, sagen wir mal, "übergelaufen". Auf der Weiterfahrt via Göteborg nach Uddevalla überquerten wir zunächst die riesige Öresundbrücke. In Uddevalla kamen wir glücklich und eigentlich schon vollkommen fertig gegen 11:40 Uhr an. Tom begrüßte uns und hielt seine "Wir-sind-jetzt-in-Schweden"-Eröffnungsrede. Kurze Zeit später sollte es mit dem lustigen Busreisen noch weitergehen, denn wir mussten noch 2 mal bis nach Ed umsteigen. In Ed waren wir gegen 14:00 Uhr und wurden direkt zum Strand des Stora Le geführt, wo wir ersteinmal die Boote aufriggerten. Das Wasser war durch den Nordwind sehr wellig und wir hofften, dass der Wind bis morgen abflauen würde. Nach einem 20 minütigem Fußmarsch erreichten wir den Zeltplatz, und konnten nach einem kleinen Regenguß auch unsere Zelte aufbauen. Zum Abendessen gab es Nudeln unter Erbsen neben Käse, doch es wurde mehr Trennkost, da der Käse nicht unbedingt zerfließen wollte. Vor dem Weg in die Penntüten (neudeutsch für Schlafsack), räumte jeder sein Gepäck so zurecht, dass er oder sie am nächsten Morgen einfach direkt in die Ruderkleidung springen konnte.
Georg Kapella, Niki Schilling, Johannes Ruppert und Nico Mauersberg
Sonntag, 24.07. Ed - TronsHolmen (30 km)
Heute begann die Wanderfahrt so richtig: Aufstehen um 7:00 Uhr, Frühstück gegen halb acht. Dennoch wurde die Morgenroutine von einer kurzen Feierlichkeit unterbrochen, mit der der Geburtstag von Sophia auf improvisierte Art gewürdigt wurde. Nachdem fast alles Gruppengepäck im Bus verstaut war und jeder eine Schwimmfeste an oder zumindest in der Hand hatte, machten wir uns auf den Weg zu den Booten. (Anm: In Schweden muss jeder Paddler/Kanute/Ruderer [zumindest in der Schleuse] eine Schwimmweste tragen) Es wurde eine wahre Völkerwanderung... (mal ehrlich, wie würden sie gucken, wenn 28 in Schwimmfesten gehüllte Menschen, paddelhakenschwingend durch ihr Dorf ziehen ?) Die Fahrt gab uns eine erste Geschmacksprobe der Landschaft, die wir in den nächsten 2 Wochen durchrudern würden. Dichte Wälder, klares Wasser und grandiose Felsformationen am Ufer ließen die 30 km fast wir im Fluge vergehen. Zwischendurch begrüßten uns zwei dänische Kirchboote, indem sie standesgemäß ihre Ruder in die Höhe streckten. Auf unser Angebot, ob sie ihre Nationalflagge gegen einen unserer Kekse eintauschen würden, reagierten sie leider nicht wie erhofft... Es gab sogar erste erfolglose Versuche, gegnerischen Booten die Flagge zu klauen. Doch auch mit den eigenen Mannschaften kam es zu einigen höchst amüsanten Auseinandersetzungen. So fand sich Urs nach einem "kleinen" Sitzkissentausch auf den Füßen von Markus (und damit in der Ernst Schering) wieder, dem es leider nicht gelang, Urs Boot, die Wannsee, von der heroischen Rettung ihres Obmanns abzuhalten. Die Fahrt endete auf einer kleinen Insel im Stora Le, die durch totale Abgeschiedenheit und senkrechte Zeltplätze an den Felskanten begeisterte. Die Lagerung der Boote wurde zu einer echten Herausforderung für Tom und Axel, denn es gab eigentlich kein Stück Insel, was 12 Meter eben und ohne Felsen war. Wir nutzten die herrliche Insellage und nahmen sogleich ein Bad im eiskalten, aber glasklaren Seewasser. Schließlich beendeten wir den Tag mit einem romantischen Sonnenuntergang und rosa Wolken, während sich die Spülgruppe mit den Resten des Grießbreis herumärgerte.
Markus Schilling, mit physischer Abwesenheit von Urs Moschik und Jakob "Rudi" Spring
Montag, 25.07. TronsHolmen- Sundet/Skenhall (36km)
Ein Rascheln in der Zeltplane, Kienäppel, die unter dem Rücken knirschen. Das Schlurfen von Betreuerfüssen, die sich um die Zelte quälen und schlafende Kinder verschrecken. Ein einheitliches Stöhnen aus den Zelten, als die Füße vorübergezogen sind. So lässt sich dieser Morgen beschreiben auf jener Insel, auf die es uns gezogen hatte, um auf ihr eine unruhige Nacht zu verbringen. Noch einmal dreht man sich auf die Seite, dann der vorsichtige Blick nach draussen. Schweinekalt ! Schneller Rückzug ins Zelt und einen Pullover übergezogen. Dann mit verschränkten Armen zum Frühstück gerannt. Schnell das nötigste konsumiert und dann wieder zurück ins wärmende Zelt. Nachdem man die Sachen zusammen hat, beschließt man "für große Klappspaten" auf das Plumpsklo der Insel zu gehen (sehr zum Ärger jener, die die Verfügbarkeit erst zu spät bemerkten und mit dem Klappspaten ihr Geschäft verrichten gingen).
Das Zusammensammeln und Einlegen der Boote gestaltet sich zu einem komplizierten Geduldsspiel, da der Wind direkt aus Süden kam und somit das Wasser in der südlichen Bucht sehr wellig war. Hier konnte immer nur ein Boot zur Zeit beladen werden. Aber auch das war irgendwann geschafft und nachdem die letzten Socken aus dem Unterholz gefischt worden sind, konnte es losgehen. Auch heute hatten wir unser Ziel: Aufbruch 10:00 Uhr nicht erreicht. Der starke Südwind drückte uns fort von der Insel, den Stora Le hinauf und entlang des immer gleichbleibenden, schwedischen Ufers, das im Großen und Ganzen nur aus drei Elementen zu bestehen schien: Tannen, Wasser und Felsen, die das Anlegen erschweren. Das Backbord-Ufer wurde sogar mal kurz norwegisch, was aber am Aussehen nichts änderte.
Zu allem Überfluss verfolgten uns dicke Regenwolken, die uns langsam aber sicher einholten. Das ewige Rennen gegen Wind&Wetter (wir hatten inzwischen eine nahezu 180° Kurve gemacht und fuhren gen Süden) schien für diesen Augenblick verloren; das Wasser erschlug uns von allen Seiten. Es folgte ein Wechselspiel aus Regenjacke ausziehen ("Puh, man ist mir warm") und Regenjacke wieder anziehen ("..es fängt an zu regnen, gib mir mal bitte meine Jacke durch"). Das Spiel endete erst nach einer halben Ewigkeit, als die Sonne hinter den trüben Wolken hervorschaute. Sofort wurden alle nassen Rudersachen vom Leibe gerissen und gegen eine Schicht Sonnencreme eingetauscht. Das Unterfangen vorwärts zu kommen, wich für einen kurzen Augenblick der einsetzenden Welle des Wohlbefindens nach so langer Zeit wieder einen wärmenden Sonnenstrahl zu spüren.
Doch schnell holte uns die Realität ein und drückte uns gen Schleuse. Die lange Wartezeit wurde durch amüsante "Schwimmwestentauschereien" überbrückt. Die Schleuse selber zeigte sich von ihrer hässlichen Seite. Ein starker Sog am Eingang zum wirklich sehr engen Schleusenkanal brachte so manchen Steuermann an den Rand der Verzweiflung, als Boote anfingen sich selbstständig zu drehen oder gegen die Wehrbegrenzung gesaugt wurden. 10 m tiefer kamen 30 Ruderer mit Angstschweiß auf den Gesichtern durch das Schleusentor, um sich auf den letzten Abschnitt der Etappe zu begeben. An unserem Ziel angekommen, wurden wir von der Gastfreundlichkeit der Schweden in Form einer hitzigen Diskussion zum Thema "Recht oder Unrecht" nahezu überschwemmt. Der endgültige Kompromiss, der immerhin 50m zusätzlichen Weg bedeutete, konnte uns den Appetit aufs Abendessen (Chicken-Curry), die "Freiluft"- Dusche in überdachten, hölzernen, an einem Schuppen angebauten Kabinen und den anschließenden Schlaf, den wir uns nach einem solchen Tag redlich verdient hatten, nicht verderben.
Fabian Böhm, stellvertretend für Karim Ben Lassoued, Christoph "Toffi" Paul und Marius Brunzel
(Anmerkung: In den sechs Jahren seit unserem letztem Besuch hatte sich auf dem Campingplatz nichts verändert. Es war der einzige Platz, auf dem keine echten Toiletten gab. Die Duschen waren so schlecht isoliert, das man unter bestimmten Bedingungen sprichwörtlich von seinem Duschgel elektrisiert wurde. Der Landdienst hatte an diesem Tag im übrigen die erste schockierende Erfahrung mit dem schwedischen Gesundheitssystem gemacht. Für die Diagnose eines kleinen Muskelfaserrisses bedurfte es dabei nicht weniger als 2 Ärzte in 2 verschiedenen Krankenhäusern, die zudem rd. 80 km voneinander entfernt waren. Und da sage jemand, in Deutschland sei die Praxisgebühr zu hoch... Axel Steinacker)
Dienstag, 26.07. Sundet - Ärtemark (34km)
Der Wecker. Ein penetrant aufdringliches Geräusch weckte alle Zelte so gegen 10 min vor 7 Uhr. Zu allem Unglück waren die Besitzer nicht im Zelt, um den Wecker auszuschalten. Nach einem chaotischen Frühstück mit kunstvoll dick geschnittenen Wurstscheiben, brachten wir die Boote zu Wasser und beluden sie. Die Sonne brannte zunächst vom Himmel, so dass alle Boote ausreichend "Spritz"besteck einpackten. Tom bewaffnete sich mit den grauen Salatschüsseln. Auf den ersten 10 km unserer Etappe nach Süden über den Lelång begann bereits der Flaggenklau. Nach einem Drittel der Strecke legten wir an einem wunderschönen windgeschützten Sandstrand an und verspeisten die 3 Wasser-Melonen, um die unser Gruppengepäck fortan erleichtert war. Der Wind blies mittlerweile so kräftig in unsere Richtung, das wir nach der Pause erst einmal 5 km segelten. Das Feld zog sich leider sehr auseinander und zwei Boote blieben außerhalb der Sichtweite zurück. Da das heutige Ziel nicht schwer zu finden war (am unteren Ende des Sees musste zunächst ein kleiner Kanal samt Straßenbrücke gefunden werden und auf der anderen Seite lag bereits der Campingplatz) fuhren die drei übrigen Boote nach rund 1 Stunde sinnlosen Wartens vor. Die Brücke hatte in etwas die Ausmasse des Nadelöhr, womit den Steuerleuten schon ein wenig Geschick abverlangt wurde. Die beiden Boote kamen rund 90 Minuten nach dem Rest an, da zwischenzeitlich eine nach eigenen angaben "komplizierte Anlege" nötig geworden war. Nach dem Herausnehmen und Lagern der Boote, dem Aufbauen der Zelte und den Vorbereitungen für das Essen, gingen die Meisten im platzeigenen, abgesteckten Badestrand schwimmen. Die Nachtruhe stellte sich nach dieser recht anstrengenden Etappe am Abend recht schnell ein. Held des Tages wurde übrigens Urs, der in Summe 10 mal vergeblich versuchte, einem anderen Boot die Flagge zu klauen, nachdem er seiner eigenen Verlustig gegangen war.
Stephanie Tews, Kai Moschik und Sophia Starke
Mittwoch, 27.07. Ärtemark/Bengtsfors - Pausentag
Es war einmal eine Rotte Ruderer, die begann ihren Pausentag sinnvollerweise mit schlafen. Dem ausgiebigen Schlaf folgte ein spätes Frühstück (Tom und Axel hatten "schwierige Bankgeschäfte" in der "Stadt" zu lösen), das sich fast bis zum frühen Nachmittag hinzog. Jeder aß was, wann, wo und wie er es wollte. Ab und zu wurde der Shop des Campingplatzes geplündert oder im See baden gegangen. Andere spielten den gesamten Tag Karten oder wurden von einem wahnsinnigen Fieber befallen, was im fortdauernden "siedeln" auf der Silberkiste endete. Dieses Fieber war auf chronischen Mangel an Freigang nach Bengtsfors zurückzuführen, da der Ort aufgrund von nicht-existierenden Fußwegen nicht lebenden Fußes erreicht werden konnte. Das aus Pell-Kartoffeln und Quark (bzw. dem schwedischen Äquivalent dazu) bestehende Abendessen kann man als krönenden Abschluss dieses vor Spannung kaum zu überbietenden Tages ansehen.
Frederik Braun, Oskar Schumacher, Björn Budde
Donnerstag, 28.07. Artemark - Krokfors (abgekürzte 25 km)
Die Überfahrt mit der bewegten Schleuse. Wir fuhren beim Campingplatz in Artemark/Bengstfors nach unserem Pausentag los. Nach der üblichen Morgenroutine fuhren wir durch die Röhre der Straßenbrücke zurück zu dem See, den wir vorgestern ja erst heruntergerudert waren. Während der Landdienst im Konsum einkaufte, ruderten die anderen bei starkem Sonnenschein und fast völliger Abwesenheit von Wind über den See zum Abzweig nach Gustavsfors. In der Schleuse angekommen, erblickten wir ein Schild, auf dem "Frisches Deutsches Vollkornbrot" angepriesen wurde. Die Trogschleuse beförderte uns diesmal nach oben. Auf dem weiteren Weg zum nächsten See, dem Västra Silen, kamen wir an einigen im Wasser halb versunkenen Bootshäusern vorbei. Das sah wirklich lustig aus. Nach einigem Suchen entdeckten wir auch unseren Lagerplatz und Tom, der uns winkend am Ufer begrüßte. Er hatte diesen Lagerplatz heldenhaft gegen eine andere Gruppe verteidigt. Das Aufbauen der Zelte war etwas schwierig, da der Boden sehr uneben und recht hart war. Wir Mädels wollten eigentlich zunächst zu viert im Großzelt übernachten, verschoben das aber wegen der ganzen Krabbeltiere in ein großes Kleinzelt. Zum Abendessen gab es Nudeln unter Bohnen im Schafskäsemantel. Das Sonnenuntergangspanorama war mit einer Kirche am anderen Seeufer und dem flachen Wasser wirklich postkartenreif.
Jaqueline Pötsch, Svenja Budde und Larissa Braun
(Anmerkung: Vor sechs Jahren kürzten wir diese Etappe auch schon ab, da der weitere Weg eine Schleuse hoch am ersten und die gleiche Schleuse runter am nächsten Tag bedeutet hätte. Damals sind wir allerdings auf dem Västra Silen nicht nach Süden, sondern gleich nach Norden gefahren, was die nächste Etappe noch stärker verkürzt hatte. AS)
Freitag, 29.07. Krokfors - Sommarvik (geschätzte 20 km)
Topfdeckel sollten verboten werden. Zumindest, wenn man sie als Wecker für arme, müde Ruderer benutzt. Dies tat auf jeden unser Tom, der wohl noch nie etwas von stilvollem Wecken gehört hatte. Nach einem kurzen Frühstück und langem Zelteverpacken ging es dann endlich aufs Wasser. Das am Morgen noch ziemlich kalte Wetter wandelte sich in wunderschönstes Sommerwetter, welches natürlich zum Spritzbesteck einladen zwang. (Im Nachgang betrachtet, handelte es sich übrigens um den einzigen echten Sonnentag auf der ganzen Fahrt !) Schon kurz nachdem Start der Etappe ging es mit den Wasserschlachten los. Schweres Geschütz wurde aufgefahren: Tassen, Teller und sogar die Salatschüsseln wurden missbraucht. Bald waren die Ersten klatschnass, jedoch schaffte es ein Boot, der Wasserschlacht zu entkommen. Doch sie hatten die Rechnung ohne Tom gemacht ("schon wieder der"), welcher es sich in den Kopf gesetzt hatte, alle einmal gründlich zu "bemitleiden". (Das war seine Bezeichnung für das Übergießen von "wehrlosen" Steuerleuten und/oder Ruderern mit dem kompletten Inhaltsvolumen der Salatschüssel).
Nach einem erfrischenden Bad auf einer der felsig-schönen Inseln ging es weiter und irgendwie hatte so keiner Recht Lust, das Ziel zu erreichen. (Anmerkung: Diese "Verschleppungstaktik" war geplant!) So vertrieb man sich die Zeit mit weiteren Wasserspielen, bis auch wieder dem Letzten sein T-Shirt am Körper klebte. Als wir endlich auf dem Campingplatz ankamen, der übrigens sehr schön war, erlebten wir eine riesige Überraschung. Schorschis Eltern waren, ohne sein Wissen, für einen Kurz-Trip nach Schweden gekommen und hatten für uns ein wunderbares Abendessen vorbereitet. Als Vorspeise: Melone mit Schinken, Hauptspeise: Fleisch und Wurst vom Grill, Salat und Brot. Den krönenden Abschluss bildete Wackelpudding mit Vanillesoße und Tortillachips mit Dip. Wir fühlten uns wie im siebenten Himmel, denn so ein Essen war mit den von Schorschi eigentlich geplanten Eiern-in-Senfsoße nun wahrlich nicht zu vergleichen. Zum Dank bekamen seine Eltern jeweils ein Wanderfahrten-T-Shirt des Jahres 2005, die übrigens sehr gelungen sind. Nach diesem leckeren Essen ging es so langsam in die Zelte, mit der Hoffnung, dass irgendjemand die Topfdeckel vor Tom versteckt hatte.
Sonja Karnatz, Nele Saeger unter geistiger Abwesenheit von Paul Kötter
(Anmerkung: Die schönsten Dinge geschehen immer beim Sonnenuntergang und so kam es, dass ein holländischer Urlauber uns für ein Bild des Sonnenuntergangs am Strand (mit kleinem Baum davor) doch tatsächlich davon überzeugen wollte, die (steinschwere) Ernst Schering "doch eben mal aus dem Weg zu schaffen". Da wir ja immer ein offenes Ohr für die Künstler dieser Welt haben, taten wir ihm den Gefallen und schossen auch selber gleich noch Fotos, die einen so dermaßen kitschigen Sonnenuntergang am Strand (mit kleinem Baum davor) zeigen, dass man sich bei der Betrachtung zu Hause sofort mit einem Seufzen auf den Lippen an diesen Strand zurückwünscht. AS)
Samstag, 30.07. Sommarvik - Skifors (28 km)
Früh am Morgen weckte uns ein gellender Ruf. Ausnahmsweise war es Axel, der unsere geschundenen Körper zusammenschrecken lies. Träge wurden die ersten Seesäcke gepackt und kurz darauf gefrühstückt. Wie immer gab es Müsli und Brot. Danach verstauten wir die Zelte, während sich einige noch mal der Körperpflege widmeten oder Zuhause anriefen (dank sei den gekauften Telefonkarten). Wir trugen die Boote ins Wasser, verabschiedeten uns von Schorschis Eltern und machten uns auf den Weg zum Lagerplatz nach Skifors. Zuvor versenkten wir aber noch die Backsteine, aus denen Schorschis Vater am Abend zuvor den Grill gebaut hatte. Anfangs dachten wir, dass auf dieser Etappe "ihr-wisst-schon-was" (das schlimme Wort mit U*) gemacht werden müsste, aber dies verschob sich glücklicherweise auf den nächsten Tag. Die Fahrt verlief ohne Probleme, der Himmels war etwas bewölkt und der ein oder andere Schauer ging auf uns hernieder. Wir fuhren den Västra Silen (nochmal) lang, an dem Lagerplatz von vorgestern vorbei und warteten gespannt auf das, was uns am unteren Ende erwarten würde. Direkt am Ende des Sees gab es eine Umtragestelle, die sozusagen direkt über den Lagerplatz führte. Wir nahmen die Boote eins nach dem anderen heran, entluden sie und trugen dann ungefähr 100 Meter weit. Als wir damit fertig waren, bauten wir die Zelte auf. Dabei fing es an zu regnen und sollte auch so schnell nicht wieder aufhören. Wir aßen zu abend und gingen dann irgendwann ziemlich durchnäßt ins Bett.
*: U=Umtragen
Maxime Hähnel, Johannes Daum, Julian Mahlke mit Unterstützung von Paul
Sonntag, 31.07. Skifors - Laxsjöns (25 km + U)
Auch am Sonntagmorgen wurden wir wie üblich zu einer viel zu frühen Zeit geweckt und zum Frühstück im Großzelt "getrieben" bzw. freundlich eingeladen. Schon kurz nach dem Frühstück ging es auch schon an die filmreife Bootsverschiebung ins Wasser. ("Männer, wir drehen jetzt die Logistik Szene. Ton ab, Kamera läuft ... und bitte"). Nach mehreren Wiederholungen und Änderungen hatten die Obleute dann endlich die Statisten unter Kontrolle, so dass sich schon bald unser kleines Geschwader von 6 Vierern auf den Weg zum nächsten Campingplatz machte. Die Strecke dorthin wurde uns durch einige Regenschauer zwar etwas erschwert, liess sich jedoch mit schief gesungenen Liedern und kurzen Regatten über 500 m überwinden. So gelangten wir dann nach einigen kurzen Pausen auf kleinen Insel und steilen Felsen zu der lange im voraus gefürchteten Umtragestelle. Am südlichen Ende des Sees, den wir heute befahren hatte, hat die Firma Duni eine Papierfabrik. Und da man für die Fabrikation von Papier nun mal sauberes Wasser braucht, hat sie den See oberhalb ihres Werkes für den allgemeinen Bootsverkehr unzugänglich machen lassen.
Zu diesem See gibt es keine Zufahrt, die von einem anderen als einem Paddel oder Ruderboot benutzt werden könnte. Der See ist nicht mit Schleusen an andere Seen angebunden. Deshalb muss man am südlichen Ende auf dem Landweg rund 600 m weit tragen, bevor man den nächsten See erreicht. Die Strecke ist eng und geht teilweise so steil bergab, dass die Boote anstalten machten ihre Träger zu überholen. Tja, es ist halt doch eine W A N D E R fahrt... Als wir am Ende nach rund 3,5 Stunden alle Einzelteile und das Gepäck den Berg hinunter geschleppt und wieder verladen hatten, entschloss sich auch das Wetter, endlich die Sonne scheinen zu lassen. Hatte es doch seit gestern abend mit kleineren Unterbrechungen eigentlich nur geregnet... Ab hier begann unsere weitere Reise "etwas" entspannter zu werden, da der "schlimmste" Teil überwunden war.
Wir nutzten den restlichen Teil der Stecke für einige erfolglose Flaggenklauversuche, von denen nur einer wirklich interessant wurde. Zum großen Ärger der gegnerischen Mannschaft gelang es Kai als Steuerfrau jedoch, ihre Flagge durch einen beherzten Sprung ins Heck zu retten. Auch das daraufhin über ihr in Strömen vergossene Seewasser konnte diesen Misserfolg nicht wieder ausgleichen und so endete der Tag mit einer deprimierenden Niederlage für die Mannschaft der Bodenwerder. Am Campingplatz angekommen, folgte die übliche Routine, mit dem kleinen aber ärgerlichen Unterschied, das just als wir (fast) alle am Platz versammelt hatten, ein dermaßen kräftiger Regenguss auf uns niederging, dass die von Janni vorsorglich in der Wiese zum Trocknen ausgebreiteten Zelte wieder ihren Ausgangszustand einnahmen. Jedenfalls die, die wir nicht mehr mit einer wilden "Jump-and-Run" Aktion ins Großzelt retten konnten. Aber irgendwie bekamen die Meisten ihre Zelte wieder trocken, der Rest wurde durch geschickte Umquartierung mit einem trockenen Schlafplatz versorgt.
Markus, Rudicus, Ursus
Montag, 01.08. - Laxsjöns Pausentag
Der Pausentag begann für alle um 10:30 mit Frühstück, zur Feier des Tages gab es Brötchen. Hiernach wurde die Kompanie zum Sachen-zum-Waschen-sortieren geschickt. Oberwaschmeister Georg übernahm die komplizierte Manipulation der Campingplatz eigenen Waschautomaten, so dass der Waschgang anstatt 60 Minuten nur noch 20 Minuten dauerte. Obwohl ein ausgeklügeltes "Waschmaschinen-bewachen" Rotationssystem ins Leben gerufen wurde, verbrachte Georg den Großteil des Tages bei den Maschinen. Der Rest spielte Karten, "siedelte" oder hörte Musik. Tom und Claudia versuchten unterdessen unsere Gasflasche aufzufüllen bzw. auszutauschen. Da sie auch noch das Abendessen einkauften und anschließend nach Gas suchen gingen, wurde die Stimmungslage etwas gespannter. Da es "Himmel-und-Erde" geben sollte, mussten Unmengen an Kartoffel und Äpfeln geschält werden. Aber alle Aufregung war vergebens, fast zur vorhergesagten Zeit kamen beide gegen 17:00 wieder auf dem Campingplatz an. Und sie hatten eine neue Gasflasche und Eis für alle dabei. Welch ein Genuss. Georg bekam als Belohnung für seinen aufopferungsvollen Waschmaschinendienst sogar die doppelte Ration. In der Zwischenzeit hatte es zwei Badesessions gegeben, eine um 13 und eine um 17 Uhr. Das Abendessen erreichte leider nicht ganz die eigentlich angedachte Konsistenz, aber es schmeckte allen. Der Tag klang bei weiteren Spielen aus. Einige machten sich auch einen Spaß daraus, die auf der anderen Seite unserer Wiese eingetroffenen Pfadfinder ein wenig zu veräppeln.
Niki Schilling, Nico Mauersberg, Georg "Schorschi" Kapella und Johannes "Ruppi" Ruppert
(Anmerkung: Das Tom das Gas aufgetrieben hatte, war unser Glück, denn sonst hätten wir ziemlich alt ausgesehen. Das schwedische System hat im Gegensatz zum deutschen innenliegende Gewinde, und den passenden Adapter konnte man auch nirgends erwerben. Das Tom dafür bis nach Karlstadt gefahren ist (rd. 240 km) lag auch daran, dass es in ganz Schweden nur 6 Füll-/Tauschstationen für deutsche Gasflaschen gibt. Eine EU-Norm wäre hier wirklich mal angebracht... Wir danken Schorschi für seinen unermüdlichen Einsatz an der Waschfront. Die Wiese, auf der wir zelteten, sah zwischenteitlich aus, wie aus der Werbung für den Weißen Riesen. Die Wäscheleine lief im Halbkarree um uns herum. Paddelhaken als Pfosten sorgten dafür, das die frische Wäsche nicht gleich wieder im Gras lag. AS)
Dienstag, 02.08. Laxjöns - Haverud (20 km)
Auf zum letzten Rudertag. Heute sollte das Highlight der Tour auf dem Tagesplan stehen, die Überquerung des weltberühmten Aquädukts von Haverud. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Wie es nach einem Pausentag (fast) üblich ist, brauchte die Morgenroutine etwas länger, da sich alle Kinder "etwas" mehr ausgebreitet hatten, als sonst. Dank des schönen Sandstrandes konnten wir aber alle Boote parallel wassern und beladen. Von der ganzen Aufregung bekam Tom nichts mit, da er mit Markus auf dem Weg ins nächste Krankenhaus war. Markus hatte seit dem frühen Abend über Bauchschmerzen geklagt. Die Erfahrungen von heute gingen über die, die ich Tage vorher mit Nele sammelte weit hinaus. In einem Krankenhaus (und ja, es war ein richtiges Krankenhaus) bekamen sie die Antwort: "Nein, heute ist kein Arzt hier, da müssen sie morgen wiederkommen". Als Tom den Campingplatz beinahe fluchtartig verlassen hatte, ging es Markus gerade richtig mies... Doch die Entwarnung kam am Nachmittag, der Verdacht auf akuten Blinddarm hatte sich nicht bestätigt, Markus war wieder oben auf. Somit konnten Tom, Claudia und Markus ihren Weg nach Haverud via Ed fortsetzen, da sie ja noch den Bootshänger holen mussten.
Die Ruderer hatten es derweil mit Schleusen zu tun, vielen Schleusen. In Schweden bezahlt der Wassertourist pro Schleusenkammer (je nach Größe und Art des Bootes) und heute standen 9 Schleusenkammern auf dem Programm. Pro Kammer wurde die Fahrtenkasse rund 360 Kronen leichter. Die Erste hätten wir uns eigentlich sparen können, weil es genau 20 cm herunter ging. An der nächsten Schleuse (3 Kammern) mussten wir zunächst 1 Stunde warten, bevor wir den langen Weg abwärts antreten konnten. Die nachfolgende Schleuse mit 2 Kammern nahmen wir auch noch, hielten aber vor der letzten auf der Strecke an, besahen uns den Umflutgraben und entschieden, hier würden wir durch fahren. Denn wieder war das Gefälle nur rund 30 cm. Gesagt, getan, mit ein wenig Strömung kamen wir souverän durch den Graben. Ein Blick auf die Uhr offenbarte uns, das es inzwischen kurz nach 17:00 Uhr war. Leider gab es auf dem letzten See vor Haverud einen dermaßen starken Gegenwind, so dass wir die letzten Kilometer nocheinmal alles geben mussten. An der oberen Seite der Schleusenkette von Haverud (4 Kammern) warteten noch andere Boote.
Und so kam es, das die letzte Schleusung abwärts ohne uns gemacht wurde. Nur die Ernst Schering wurde als einziges Ruderboot mitgenommen. Der Schleusengang dauert pro Richtung gut 30 Minuten. Hätte das Team aus Schleusenwärtern uns schleusen wollen, hätten sie sage und schreibe 15 Minuten mehr arbeiten müssen, als es ihr Arbeitsvertrag vorsah. Nichts zu machen, es gab keine Schleusung bzw. nur eine. Damit war eigentlich schon klar, das wir die für den morgigen Tag geplante Tour auf dem Vänern, einem wirklich riesigen See, vergessen konnten. Es wäre schon anstrengend gewesen von unserem Lagerplatz unterhalb der Schleuse von Haverud dorthin zu gelangen (10 km Anfahrt plus 2 Schleusen pro Richtung zzgl. der Tour auf dem See). So blieb uns nichts anderes übrig, als die Boote hier oben herauszunehmen und das ganze Gepäck den (ziemlich weiten) Weg bis hinunter zu unserem Lagerplatz zu schaffen. Das Anlegen war relativ schwierig, da es nur einen kleinen Steg gab, und der Wind leider genau aus der falschen Richtung kam. Doch nach gut 90 Minuten war alles irgendwie zum Lagerplatz gelangt. Dieser Lagerplatz war eigentlich ein Campingplatz, aber einer, der links und rechts einer öffentlichen Straße nur auf einem Stück Wiese lag. Keine Zäune, keine Rezeption. Nur ein Häuschen, was die Duschen und die Toiletten beherbergte. (Eine Toilette mit Wasserspülung war zum absoluten Zeichen von Luxus erhoben worden).
Wie auf Bestellung kam Tom angefahren und so konnten wir schleunigst damit beginnen, das Abendessen zuzubereiten. Auf dem Teil der Wiese, den wir uns gewählt hatten, gab es eine kleine, glibschige Besonderheit: Nacktschnecken. Es gab kein Zelt oder fast keine Tasche, die am nächsten Morgen nicht mit mindestens einer davon "beklebt" war. Zum Abendessen gab es ein Gericht aus Oskar's Outdoor-Kochbuch von Globetrotter. Experiment gelungen, Meute satt und zufrieden. Der Übergang zur Nachtruhe wurde nur kurz verzögert, als unsere kleinen Hobbyangler Niki, Nico und Ruppi aus der nahegelegenen Lachszucht einen Fisch anschleppten. Na ja, was man mit so einem selbst gefangenen, echten Fisch macht, kann einen schon ein wenig überfordern...
AS
Mittwoch, 03.08. - Haverud Pausentag
Nach dem üblichen Weckruf haben wir unser chaotisches Frühstück zu uns genommen. Die Überreste des Abendbrotes wurden vertilgt, die Schlange zum Müsli war wie immer nicht vorhanden und die schrillen, lauten, fordernden Rufe nach Brot, Marmelade, Margarine und Nutella schallten über den Campingplatz. Sehr begehrt waren neben den raren Sitzgelegenheiten, wie Silberkiste, Werkzeugkoffer, Artzkiste und Getränkekisten, das runde, schwedische Brot, die Kötbulla (ob man das so schreibt ?!) und die Erdbeermarmelade. Die Wiese in der LÄTTÄ hielt sich in Grenzen, aber der Absturz von Nahrungsmitteln ist doch irgendwie vorprogrammiert. Nach dem Frühstück beschlossen unsere Betreuer den eigentlich letzten Rudertag zum Pausentag umzudefinieren.
Am Vortag war es uns nicht gelungen den Schleusenwärter (Slussvakt) zu einer weiteren Schleusung zu bewegen [wir hatten nichts zum bestechen dabei], weshalb wir die Boote, abgesehen von der Ernst Schering, vor der Schleuse herausnehmen mussten. Die Ernst Schering hatte gestern nämlich noch das Glück durch die vier Kammern umfassende Schleuse zu kommen. Für den heutigen Tag war eigentlich eine Tagestour geplant, die insgesamt 4 Schleusen beinhaltet hätte, die zusätzliche Schleuse von gestern hätte uns in zu großen Verzug gebracht. Streß in den letzten Tagen der Ferien sollte auf äußerste vermieden werden. Den Vormittag vertrieben wir uns deshalb mit Abriggern (auch bekannt als "Abschlagen") und ausräumen der Boote, um anschließend eine Wanderung mit ihnen zu machen.
Fröhliches Bootswandern, über Berge, Straßen und durch den dunklen schwedischen Wald ist eine unserer Lieblingsbeschäftigungen. Unterbrochen wurde der Wanderzirkus durch einen kurzfristigen Menschenauflauf am Wehr des Aquädukts. Denn jeden Tag zwischen 11:20 und 11:25 Uhr wird das Wehr geöffnet und der felsige, normalerweise trockene Umflutgraben wird zu einem reissenden Wildbach. Passend dazu getimed fährt das Passagierschiff über den Aquädukt, damit alle Touristen ihre Fotokameras und -handys ausgiebig testen können. Auch die gesamte RaW-Mannschaft belagerte den Aquädukt und bestaunte den entstandenen Wildwasserbach. Nachdem wir unsere Wanderung endgültig beendet hatten, begannen die Skatrunden und der Bau von Siedlungen. Die beiden Silberkisten wurden nun geplündert und so erstreckte sich das Mittagessen über den gesamten Nachmittag. Am Ende der "Orgie" konnte man alles (Brot, Geschirr, Belag) in der Wiese finden. Zum Abendessen sollte es eigentlich Geschnetzeltes unter Kartoffeln geben, doch leider taute das Fleisch nicht ganz so schnell auf, wie gehofft. Trotz der kompetenten Hilfe von Steffi und der sehr lustigen Hilfe einiger Anderer beim Kartoffel schälen, konnte die etwas überforderte Kochgruppe erst relativ spät zum Essen rufen. Der Abend klang bei Karten und spielen aus.
Sophia Starke, Stefanie Tews und Kai Moschik
Donnerstag, 04.08. - Transfer Haverud - Göteborg
Der Mensch reist ja bekanntlich gerne und so würden wir diesmal nicht nur den Bus sondern auch tatsächlich die schwedische Eisenbahn benutzen. Doch das erste Problem war, das der Bahnhof in Mellerud lag, einem Städtchen, was rund 20 km südlich von Haverud liegt. Zuerst wollten wir mit dem Bus fahren, aber wie das in ländlichen Gegenden so ist, fährt der Bus morgens um 5 und abends um 5 Uhr je einmal. Hinzukam, das die Bahn nach Göteborg in Mellerud natürlich einmal um 10 und einmal 13 Uhr hält. Somit entschlossen wir uns kurzfristig, unseren Bus zum Transfer zu nutzen und schwupps, waren allen lange vor der kalkulierten Zeit am Bahnhof. Die Sonne strahlte (hätte sie das doch mal öfter getan...) und so wurde die Wartezeit auf die Bahn mit diversen Kartenspielen fast auf ein Minimum reduziert. Die Bahnfahrt dauerte gut 70 Minuten und das nächste Problem war auch schon in Sicht, wir wussten nicht mehr so ganz, wo eigentlich der Göteborger Ruderklub war. Doch wozu gibt es die Touri-Info.
Da der Ruderklub eine eigene (nach ihm benannte) Straßenbahn-Haltestelle hatte (Röddvereinigingen oder s. ä.) war schnell klar, welche Linie wir nehmen mussten. Also 30 Kinder mit dem Großteil ihres Gepäcks steigen am Hauptbahnhof in eine vorher gut gefüllte Straßenbahn. Das Ergebnis: Die Wagen platzten fast aus allen Nähten. Zum Glück fuhren wir gut 30 Minuten bis fast zu Endhaltestelle, so dass die Wagen immer leerer und das Atmen wieder einfacher wurden. Der Ruderverein in Göteborg liegt auf einer kleinen Insel (es ist mehr ein großer Felsen...) und ist nur über eine Hängebrücke aus Holz zu erreichen. Der Schlüssel lag sogar an der beschriebenen Stelle hinterm Haus versteckt und so konnten wir einziehen.
Das Klubhaus besteht aus dem großen Saal, einer kleinen Folterkammer (mit tollen Postern an der Wand), dem Duschraum, einer winzigen Sauna, sowie einer Küchenzeile und 2 Toiletten. Spontan beschlossen Tom, Claudia, Ulrike und ich, draussen auf dem winzigen Stück Rasen zu zelten. Dass würde der nächtlichen Sauerstoffversorgung sicherlich zuträglicher sein, von der Nachtruhe ganz zu schweigen. Das Abendessen bestand aus Milchreis mit Kirschen, Zimt &Zucker, Apfelmus und sonst allem, was wir an Obstkonserven noch da hatten. Die Zubereitung dauerte gut 2 Stunden. Währenddessen liefen Ulrike und ich das letzte Stück die Straße hinunter, kletterten die Felsen hinauf und hatten einen Wahnsinns-Panoramablick auf die vorgelagterten Inseln vor Göteborg. Der frische Wind blies uns um die Ohren.
Leider hatten wir keinen Fotoapparat dabei, dieser Blick wäre schon eines Posters würdig gewesen. Zwischenzeitlich waren einige unerschrockene in die Fluten vor dem Ruderklub gesprungen, der mittlerweile vollkommen von mehreren Yachthäfen umgeben ist. Vor sechs Jahren war zumindest der Göteborg zugewandte Teil der Bucht noch Hafenfrei gewesen. Von einem schönen Ruderrevier konnte also wahrlich nicht mehr sprechen. Den Abend verbrachten die Betreuer, als die Kinder sämtlichst im Bett ähm in der Penntüte lagen, mit dem Blick auf den orangefarbenen Himmel über Göteborg. Ach kann Urlaub schön sein.
AS
Freitag, 05.08. - Göteborg (Pausentag)
Die sehr geruhsame Nacht wurde durch den Blick gen Himmel etwas abgewertet. Strahlte am Vortag noch die Sonne mit den Schönwetterwolken um die Wette, so gab es heute eine bleierne Graucollage mit vereinzelten Sonnenstrahlen. Auch war die Temperatur auf dem Felsen merklich gefallen (kein Wunder ohne wärmende Sonne...). Nachdem Frühstück ging es für alle ab in die Stadt. Mit Tageskarten ausgestattet durften sie in 3-er Gruppen Göteborg erkunden. Ulrike und ich taten es ihnen gleich, doch führte uns Weg nicht ins nächste McDonalds sondern durch die Altstadt, den Hafen und durch Schwedens größtes Einkaufszentrum. Das Wetter wurde nicht wirklich besser und so standen wir am Ende, auf die Straßenbahn wartend, in einem heftigen Regenguss. Eine seltsame Erscheinung am Rande war eine Frau, die sich zu den Wartenden gesellte, ihre Einkaufstüte aufmachte, die Preisschilder von der frisch gekauften Regenjacke abriss, diese anzog und weiter hetzte. Es gibt halt kein unpassendes Wetter, sondern nur ...
Das Abendessen sollte heute zur Abschlussfeier in einem Restaurant stattfinden. Tom und Claudia wanderten 3 Stunden durch Göteborg, bis sie einen passenden Italiener fanden. Pünktlich versammelten sich alle am Treffpunkt am Hauptbahnhof und wir trotteten hinter Tom zum Restaurant her. Das Abendessen war wie erwartet der Oberhammer, an Tischen auf Stühlen von Porzellangeschirr zu speisen hatten wir in der Wildnis ja fast verlernt. Zum Abschluss des Tages gab es auf dem Rückweg zur Straßenbahn bei McDonalds für alle noch ein Eis. Müde und zufrieden kamen wir gegen 22:30 wieder im Klubhaus des Rudervereins an, wo wir die Kinder sofort ins Bett schickten. Die Betreuer liessen den letzten gemeinsamen Abend bei Chips, Gerstenkaltschale und dem Blick in den orangefarbenen Himmel gemütlich ausklingen. Unser Resümee der Fahrt fiel eigentlich ganz positiv aus.
AS
Samstag, 06.08. - Rückreisetag
Früh am Morgen ging es los. Da Tom und Claudia mit dem Bus gegen 10:00 Jockel am Hauptbahnhof abholten mussten, um gegen 17:00 Uhr die Fähre in Malmö zu erwischen, war Eile geboten. Paul hatte Geburtstag, für ihn gab es einen Kuchen und eine eigene Seite in der Kladde. Vollkommen unerwartet klappte die Morgenroutine diesmal sehr zügig, das Beladen des Busses verlief fast Reibungslos und so konnte die Buscrew etwa zur geplanten Abfahrtszeit starten.
Der Rest räumte auf und säuberte das Haus von oben bis unten. Einige bewiesen dabei ungeahnte Putzqualitäten... Gegen 12:00 Uhr machten wir uns auf, das letzte Mal in Schweden eine Straßenbahn zu besteigen. Am Busbahnhof angekommen (der direkt an den Hauptbahnhof angrenzt) griff sofort der ausgeklügelte Gepäck-Bewachnungs-Rotationsplan. Alle 30 Minuten wurden die Wächter abgelöst. Ulrike, Janni und ich unternahmen noch einmal einen Gang zum Hafen, wo wir zufällig eine kostenlos Hafenrundfahrt unternehmen konnte. Dem anschließenden Milchkaffee in einem wirklich schicken Cafe folgte die Vernichtung des letzten schwedischen Münzgeldes bei einem etwas entfernter liegenden McDonalds. Auf dem Weg dahin begegnete uns (ganz echt) ein Spielmannszug, wie man ihn sonst nur aus dem Kölner Karneval kennt. Somit war das amüsante Highlight des Tages erreicht.
Pünktlich um 17:15 fanden sich alle beim Gepäckberg ein, wir stiefelten zu unserem "Bus"steig und warteten. Die nun folgende Busfahrt war noch schlimmer als die Hinfahrt und ich möchte nur soviel darüber sagen, dass der Busfahrer selbst bei der Ankunft am ZOB in Berlin in Schwedisch auf Wiedersehen sagte, obwohl gut 90 % der Insassen Deutsche waren, war der traurige Höhepunkt. Nicht das er sich vorher in fließendem Deutsch mit dem 2. Fahrer unterhalten hätte, den wir in Puttgarden aufgesammelt hatten. Aber jetzt wissen wir, mit "Säfflebussen" fahren wir nie wieder. Einziger Pluspunkt waren die geringen Kosten... Als alle Kinder überpünktlich um 5:55 Uhr in die glücklichen Arme ihre Eltern gefallen waren, trennte sich Gruppe für ungefähr 10 Stunden, da es um 16:00 der gleichen Tages hieß: Abladen.
