Sommerwanderfahrt des Jung-RaW in Elsaß-Lothringen - die erste große Tour

Wie versprochen hier nun einige Berichte, um einen Querschnitt der Fahrt zu bieten. Aufgrund der Vielzahl von Berichten wollen wir an dieser Stelle nicht alles veröffentlichen. (Gunnar Pötzsch)

Mittwoch, der 21. Juli 1993

Um 9:15 Uhr war unsere gesegnete Nachtruhe zu Ende. Jetzt hieß es: schnell aufstehen, duschen, Tische nach draußen räumen und decken (es schien ein schöner Tag zu werden) und Baguettes holen. Nach dem ausgiebigen Frühstück sammelte Gunnar die Schmutzwäsche ein, die dann in den Waschmaschinen von Tom Stargardt und Kai Rieche bewacht wurde. Anne sammelte auch, allerdings Geld, welches Gunnar gesamt tauschen wollte. Bei dem schönen Wetter mußten wir einfach alle schwimmen gehen. Einige Leute fanden das Wasser des Mittersheimer Sees allerdings sehr kalt, an dem heißen Tag war das aber eine willkommene Abkühlung. Da der Tretbootverleiher nicht auffindbar war, konnten wir leider nicht Tretboot fahren - schon war der Vormittag vergangen und wir mußten uns an die Vorbereitungen für das Abendessen machen. Es gab Kuckuckseintopf, den wir fast alle das erste Mal aßen. Trotz der skeptischen Vorurteile hat es den meisten ganz gut geschmeckt (leider hatte sich Carsten Birkholz etwas mit den Mengen von Salz und Pfeffer vertan ... ).

Kai Rieche, Tom Stargardt und Peter Jambroschek organisierten mit Anne Germelmann ein Federballturnier, das am nächsten Tag stattfinden sollte. Sie hatten sehr viel zu tun, da sie allein dreimal ausgelost haben. Der Abend wurde von den Älteren bei einer gemütlichen Rotweinrunde verbracht.

Kathrin Zemaitat & Hanna Jambroschek

Mittwoch, der 28. Juli 1993

An jenem Morgen hatten Vladimir Vukelic, Felix Pickardt, Gwendolyn Raphael und Kolja Zerbock mal wieder Küchendienst. Dummerweise meldeten sich Vladi und Felix zum Baguette holen und schmissen sich auf die Fahrräder, um in Richtung Saverne zu radeln. Sie rasten verzweifelt durch die Stadt und fanden nach langem Suchen schließlich einen COOP. Kaum gekauft, da gab es schon das erste Problem: wie transportieren wir die 35 kleineren und großen Baguettes ? Schnell ließen wir uns etwas einfallen: eine Kiste, von der jeder einen Henkel nimmt. Nebeneinander fahrend hielten wir den ganzen Verkehr an unserem zweiten Problem auf: der Steigung. Nun wurden wir zwei Glückspilze von einer etwa 40jährigen, sehr attraktiven Frau angesprochen, ob sie unser Paket nicht mit dem Auto zu unserem Camp fahren solle. So sparten wir nicht viel Zeit, da wir beide nicht so die Supermänner auf dem Fahrrad sind, aber immerhin. Nach anfänglichem Gejole und Applaus über unser unkonventionelles Transportsystem, frühstückten wir ausgiebig, packten die Sachen zusammen und holten die Boote. Nach kurzer Fahrt und der ersten Schleuse hielten wir mitten im Hafen von Saverne an und hörten uns bei praller Sonne die Referate von Christian Zemaitat, Kai Rieche und Nils Beheim-Schwarzbach an.

Felix Pickardt & Vladimir Vukelic

Donnerstag, der 29. Juli 1993

Unsere Story beginnt in der Nähe von Saverne auf einer Art Campingplatz Baujahr '89 (Die Bausteine des Toilettenhäuschens trugen dieses Datum). Der Tag scheint zunächst normal zu werden. Kurz nach dem Start muß Tom Stargardt in der Stadtschleuse (5,5 m Hub) Mut beweisen, da er ja bekanntlich nicht für "wackelige" Sachen zu haben ist. Im Hafen lauschten wir den Vorträgen von Christian Zemaitat und Nils Beheim Schwarzbach, die uns einiges über Saverne berichteten, sowie Kai & Simon Rieche und Kolja Zerbock, die uns einiges über das zurückliegende Schiffshebewerk sagen konnten. Nach der folgenden Schleusenkette öffnete Petrus alle Himmelsschleusen und es goß in Strömen. Zu allein Überfluß überholte das MS MICKELE einen Großteil weiserer Boote und versenkte sie beinahe (im Ernst wer fährt schon mit 20 Sachen durch einen Kanal ?). Nachdem die "See" wieder einigermaßen glatt war, skullte man weiter in Richtung Straßburg. In Schleuse 43 wurden noch einmal die lebenserhaltenden Mittel aufgefrischt. Nur ein "schwimmender" Hase, den Gwendolyn Raphael besonders eklig fand, wollte nicht mit uns teilen, was uns der Chef des Landdienstes, Stefan Lohrum, überbracht hatte. Er war es auch, der uns davon unterrichtete, daß wir direkt an der Schleuse 46 ein Quartier hatten: auf der Wiese hinter einem Gasthof.

So weit sollten wir allerdings nicht kommen. Nach der 44 erblickten wir unseren Todfeind, die MS Mickele, die Zeit der Rache war gekommen! Die Frau des Besitzers war über die Spritzer, die ihrem Boot durch Felix verabreicht wurden so empört daß sie vor lauter Schlucken und Luftholen kein Wort herausbekam. Sie lief nur abwechseln rot an und verlor die Farbe wieder. Als nun der Besitzer an Deck stürmte muß er seine Brille vergessen haben, denn er erkannte und deutete den von Felix erhobenen Mittelfinger falsch und lief mit erhobenem Zeigefinger und hochrotem Kopf, mit den Worten "... das geht gegen meine Person" zum Funkgerät, um die Polizei zu rufen. Er überlegte es sich jedoch anders und begann mit Gunnar eine Diskussion über die heutige Jugend. Schreiend wollte er uns davon überzeugen, daß er mit seinen 50 Jahren es als unverfroren ihm und seiner Frau gegenüber ansehe, wenn er überholen wolle und das betroffende Boot auch noch schneller werde (Am.: in Frankreich haben Motorboote gesetzlich Vorfahrt! Gunnar Pötzsch). "Da muß man doch an den Rand fahren"- außerdem kenne er viele Paddler, die Wellen liebten...

Gunnar konterte mit der Erklärung, daß sie nur schneller geworden waren, um nicht vollzuschlagen, Reaktion: "aber ich bin Motorbootfahrer", Gunnar: "Ich auch!". Jetzt drohte er uns, daß er am kommenden Wochenende mit einem Frachtkahn auf dem Kanal sein werde und grinste breit. Gunnar wurde es zu blöd: " ... da sie ja mit ihren 50 Jahren die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, einen steifen Arm haben, mit dem sie den Gashebel nicht bewegen können, fahren wir jetzt lieber. Ferner stellte er richtig, daß Felix ihm den Mittelfinger und nicht den Zeigefinger gezeigt hätte und gab unter lautem Lachen durch die übrigen Bootsmannschaften das Kommando zum Aufbruch. Nachdem der "Motorboot-Alain Prost" diese Geste mehrmals, unter schallendem Gelächter, geübt hatte mußte er selbst darüber lachen und es konnte weitergehen.

Wir hatten uns jedoch so verspätet, daß der Schleusenmeister der 45 drohte, uns über Nacht in der Schleusenkammer zu lassen. Er zeigte jedoch Herz, schleuste uns noch, sodaß wir nur an der Schleuse 46 umfragen mußten. Gestärkt durch Kartoffeln und Quark fielen wir bald in die Schlafsäcke, die leicht beträufelt wurden, durch die nassen Klamotten, die in den Zelten hingen. In der Luft lag noch der Duft einer "sehr gelungenen" Mischung aus Schoko- und Erdbeerpudding, die wir leider am nächsten Tag vergraben mußten.

Axel Steinacker & Peter Jambroschek