Der neue Trainer

Bericht über die Einstellung des englischen Trainers Arthur Eastland (KN 1913)

In der letzten Monatsversammlung ist - erfreulicherweise einstimmig - die Verpflichtung des englischen Trainers Arthur Eastland aus Oxford für 1914 beschlossen worden. Mit dieser Tatsache ist erwiesen, dass der R. a. W. es mit dem Sport ernst nimmt. Ueber die Persönlichkeit des neuen Trainers ist folgendes zu bemerken. Mr. Eastland ist Berufsruderer. und hat als solcher in England, dem Mutterlande des Rudersports, auch mit grossem Erfolge gestartet. In Deutschland ist er im MainzerRuder-Verein als Trainer tätig gewesen und hat dort im ersten Jahre seiner Tätigkeit 15 Siege herbeigeführt, im zweiten Jahre sogar 23 Siege, darunter die Meisterschaft von Deutschland im Vierer. Im Jahre 1909 finden wir E. in Stettin im R.-C. "Triton". Dort brachte er es in diesem Jahre auf 15 Siege. Auch 1910 war er in diesem Club tätig, konnte aber mangels geeigneter Ruderer grössere Erfolge nicht erzielen.
Ob ein englischer Trainer besser oder ein deutscher, soll hier nicht erörtert werden. Tatsache ist, dass es in Deutschland Berufsruderer noch nicht gibt, sondern dass die deutschen Trainer zur Zeit durchweg ehemalige Herrenruderer sind, die ihre als Amateur erworbenen sportlichen Kenntnisse gegen Bezahlung zur Verfügung stellen.

Wie wir erfahren und wie Mr. Eastland uns selbst mitteilte, lehrt er einen langen Schlag - den alten englischen mit kräftigem Einsatz und scharfem Durchriss unter gehöriger Ausnutzung der Rücken- und Beinmuskel. Nun kann ein Trainer noch so gut sein und noch so viel Erfahrungen mitbringen, er wird nichts ausrichten, wenn er nicht bereits vorgebildete Ruderer vorfindet, d. h. Ruderer, die den Winter über nicht untätig gewesen sind, sondern ihren Körper auf das kommende Training zweckmassig vorbereitet haben.

Die Klubleitung hat in richtiger Erkenntnis dieser Tatsachen nun einen Appell an alle Senioren und Junioren, die 1914 mittrainieren wollen, erlassen, im Winter jeden Donnerstag Abend im Bassin und jeden Sonntag Vormittag um 10 Uhr auf offenem Wasser zu rudern, und es hat sich eine grössere Anzahl Herren, rund 25, bereit erklärt, an diesen Übungen teilzunehmen und ihr Bestes zu tun, um im nächsten Frühjahr mitmachen zu können.

Worauf sind denn auch die verblüffenden Erfolge einzelner Klubs bei den Regatten zurückzuführen? - Wenn man der Sache auf den Grund geht, lediglich darauf, dass diese Mannschaften schon im Winter zusammengerudert haben: Zusammenarbeit, gegenseitiges Kennenlernen und Vertrauen, Vorbereiten des Körpers und spielend werden dann Erfolge herbeigeführt, über deren Vorbedingungen Uneingeweihte meist im Unklaren sind und sich die Köpfe zerbrechen. Es soll nun nicht unterlassen werden festzustellen, dass Mr. Fastland sowohl in Mainz (Eismeyer) als auch in Stettin (Stahnke) ausserordentlich kräftige und talentieite Ruderer vorfand. Aber haben wir die etwa nicht? - Ich könnte eine ganze Anzahl unserer Trainingsleute anführen, die an Körperkräften und Gewandtheit den obengenannten Koryphäen nicht viel nachgeben.

Das Eine steht zweifellos fest: Wenn der Trainer Anfang April eintrifft und Ruderer vorfindet die den ganzen Winter auf der Bärenhaut gelegen, sich Winterfett angemästet und: unsolide "gelebt haben" Leute, die nach 500 m scharfen Ruderns nicht mehr mitmachen können, dann, ja dann kann auch er nichts machen. Zaubern kann er nicht und in 8 Wochen soll viel geschafft werden. Ebensowenig kann er Leute im Boot gebrauchen, denen er zunächst erst die krassesten Fehler der Anfänger abgewöhnen muss.

Allen Ruderern, die nach Schluss der letzten Monatsversammlung ihre Teilnahme an den Sonntag vormittags und Donnerstag abends stattfindenden Ruderübungen zugesagt hatten, sprechen wir hiermit unsere Zuversicht aus, dass sie r e g e l m ä s s i g an den Uebungen teilnehmen. Keiner darf fehlen, und in diesem Sinne blicken wir dem Training 1914 mit Vertrauen entgegen, verweisend auf unser Klublied:

"So wachse, Wannseeklub, zu Ruhm und Ehren,
Erziehe Männer, die mit starkem Arm
Sich selbstlos stets für deine Farben wehren,
Mit edlem Sinn und einem Herzen warm."