zuletzt aktualisiert 15:50:51, 26.10.2020

Sternfahrt-Ersatz: "Wanderfahrt" durch Klein-Venedig in prächtigen Herbstfarben

Gibt es denn so eine Idylle mitten in Berlin? Das ist unglaublich. Einige kennen diese Tour als Tiefwerder-Umfahrt oder Fahrt durch „klein Venedig“. Zu alten West-Berliner Mauerzeiten war das eine der sehr wenigen Touren, die man vom RaW aus innerhalb der Stadt machen konnte. Wir ruderten am Sonnabend, 25. Oktober mit fünf Booten und insgesamt 22 Ruder/innen bei herrlichem Sonnenschein zuerst die Havel aufwärts in Richtung Spandau und in die kanalisierte Havel hinein. Dann ab in den Spandauer Südhafen, am Ende des Hafens beginnt das kleine Abenteuer und eine Herausforderung für die Steuerleute. Plötzlich sehen wir keine Industrie mehr und befinden uns in einem sehr schmalen Kanal, den wir nur mit Paddelhaken und viel Achtsamkeit passieren können. So allmählich wird die Durchfahrt breiter und man kann wieder rudern. Weiter geht’s vorbei an Kleingärten und Feuchtwiesen mit Wasserbüffeln am Ufer. Schließlich erreichen wir den Stößensee und kommen wieder zurück auf die Havel.

Text: Matthias Kereit

Ein herzliches Dankeschön an Matthias für diese tolle Fahrt! Im verrückten Jahr 2020 war das ein echtes Ruder-Highlight, sagen die Teilnehmer/innen.

Gruppenbild Vierer REinhard Palmen

Stimmung Kleinvenedig Reinhard Palmen

Fotos: Reinhard Palmen

Selfie Kleinvenedig M SzB

Foto: Marion Schulte zu Berge

Quer durch Berlin 2020: einzige Regatta und ein einziger Erfolg

Sieben Siege fuhr der RaW auf der Berliner Langstrecke am 10. Oktober ein, damit wurden wir erfolgreichster Verein. Zu diesem Erfolg gehörte wieder einmal ein gewonnenes Concept-2-Ergometer aus dem Gig-Achterrennen sowie – als Premiere – der Pokal im „Beginner-Rennen“. Diesen Preis hatte der RaW selber im Jahr 2011 gestiftet, jetzt ist er erstmals auch wirklich bei uns.

Männer Achter quadrat

 
 Frauen Vierer Sieger

Frauen Vierer 2020
Fotos: Isabel Traencker-Probst 
 
Immerhin diese eine Langstrecke konnte im Herbst 2020 stattfinden: Quer durch Berlin, das sind 7000 Meter auf der Innenstadt-Spree von Charlottenburg bis zum Haus der Kulturen der Welt im Tiergarten. Es war sogar die einzige überregionale Regatta überhaupt in Berlin in diesem Jahr – und wie stets unsere Stammregatta. Etwas ungläubig waren manche bis zuletzt, ob sie überhaupt stattfindet. Dennoch kamen viele Boote des RaW zusammen, unsere Sportlerinnen und Sportler starteten in mehr als zehn Rennen. 
+ Zwei Rennvierer des Jung-RaW machten gleich zu Beginn die ersten beiden Siege klar, es folgten der Männer-Rennachter sowie ein Frauen-Achter in Rengemeinschaft.
+ Im sogenannten "Wasser Cup“ siegten Ex-Trainingsleute in unserem Gigachter Berlin mit einer sensationellen Zeit (23.46 min) – das brachte zum siebten Mal in Folge das als Preis ausgeschriebene Ergometer ein.  
+ In Gigvierern gingen mehrere Mannschaften an den Start. Von ihnen fuhr das Frauenteam in Altersklasse D den Sieg ein. Den ersten Platz erzielten auch unsere Beginnerteam im Rennen 23, allesamt waren sie erstmalig auf einer DRV-Regatta unterwegs. Sie waren mit 29.30 min wirklich schnell unterwegs auf der Strecke. Den stattlichen Pokal dieses Rennens haben wir nun also endlich bei uns am Wannsee – hoffentlich für längere Zeit.
 
Text: Jörg Niendorf
 
Sieger Beginner mit Jörg klein2
Foto: Anne Kahnt

Von Bonn nach Berlin im Ruderboot

Unter dem Instagram Account "Ruderkanal" postet Uta Braun über ihre spannende Bootsüberführung von Bonn nach Berlin. Mit im Gig-Fünfer sind ihre RaW-Vereinskolleg/innen Stephanie, Marion, Christiane und Jörn(e) - schaut euch die Fotos und Berichte an, es ist ein echtes Highlight in diesem Wanderfahrten-armen Jahr! Auch vom Deutschen Ruderverband aufgenommen in diesem Artikel auf rudern.de: https://www.rudern.de/news/2020/mit-dem-ruderboot-von-bonn-nach-berlin

Ruderkanal Bonn.Berlin SEpt 2020

Foto: Jörn Janecke

 

Klubregatta light am 22. August 2020

Für mich ist die interne Regatta und die anschließende Party das schönste Fest unseres RaW. Ja wirklich. Ich liebe die familiäre Atmosphäre. Ich liebe es zu sehen, wie sich unterschiedliche Ruderer, Stammklubmitglieder, Masters, ehemalige Masters, frühere Olympioniken zu einer Mannschaft zusammenstellen. Zu beobachten, wie glücklich sie sind, wenn sie aus dem Boot aussteigen. Die Gewinner, aber auch die Verlierer. Ich liebe es, im gelosten Achter mitzufahren. Ich liebe es, auf dem Platz auf und ab zu laufen und Mannschaften für eben diese gelosten Achter zu schanghaien. Ich liebe es, die Rudererfamilien zu sehen. Vater und Sohn in einem Boot. Wann werde ich Mutter und Tochter sehen? Ich liebe es, den Rennen zuzuschauen. Jetzt, seit der Zieleinlauf direkt vor unserer Hafeneinfahrt ist. Und es gab ganz schön viele Rennen, bei denen es knapp aussah. Kann es sein, dass Erfahrung vor Jugend und Kraft geht?

Habe ich eigentlich Frederik und dem Organisationsteam schon genug gedankt? Frederik dafür, dass er selbst auf das Rudern verzichtet hat und jedes einzelne Rennen in seinem Motorboot begleitete? Und ich weiß doch, wie gerne er selbst gestartet wäre. Ellen Pfeiffer für die Organisation des Regattabüros. Allen Helfern beim Auf und Abbau? Dirk Bublitz dafür, dass er uns mit Musik begleitete? Allen dafür, welchen guten Zugang sie zum Wettergott haben? Wochenlang unerträgliche Hitze. Aber am 22. August 2020? Herrliches Regattawetter. Der Himmel bewölkt. 24 Grad. Schiebewind von Westen. Na ja, ein bisschen weniger Schiebewind wäre auch gut gewesen. Kein Regen.

Kein Regen? Nein, kein Regen während der Rennen und auch kein Regen bei der Trainingsverpflichtung und der Party. Aber dazwischen! Dunkle Wolken türmten sich während des letzten Rennens. Und mit welcher Wucht der Regen dann herunterkam! Passgenau nachdem das Zelt über dem Regattabüro abgebaut und trocken wieder in Sack und Tüten war. Dirk Bublitz, der den Bootsplatz als unser Dickjockey von der Veranda aus beschallte, musste sprinten, um die Fenster vor dem Sturzbach zu schließen. Wenn man selbst aber sicher unter dem Zeltdach oder dem Dach des Bierwagens sitzt oder steht, dann macht so ein Platzregen, bei dem das Wasser vom Fußboden aus wieder 10 cm hoch spritzt, ja gar nichts aus. Und danach ist es umso schöner, wenn wieder die Sonne scheint und das Wasser verdampft. Umso schöner zuzuhören, wie Jörg Spiegel den Jugendlichen die Trainingsverpflichtung abnimmt. Normalerweise machen wir dies beim Anrudern. Zu Beginn der Trainingssaison. Aber mit Corona ist alles anders. Und mit einem Bierglas in der Hand sitzend, diesen sympathischen, motivierten, engagierten und ja, auch gut aussehenden Jugendlichen zuzusehen, wie sie zunächst schüchtern, leicht kichernd in einer Gruppe beisammen stehen und sich jeder bzw. jede einzelne brav mit Maske aus der Gruppe herauslöst, um seine bzw. ihre Verpflichtung zu unterschreiben, das ist so ermutigend. Spannend fand ich, dass Jörg bei jedem einzelnen erläuterte, wie weit er bzw. sie mit seiner sportlichen Leistung gekommen ist und welche sportlichen Glanzleistungen wir nächstes Jahr mit dem Glück der Tüchtigen erwarten können. 

Und danach? Danach wurde die Sonne immer wärmer. Die Musik immer besser, die Gespräche immer intensiver. Einige sind sogar noch schwimmen gegangen. Ich habe früh die Party verlassen. Und ich war auch nicht in Tanzstimmung.  Aber nächstes Jahr, nächstes Jahr komme ich wieder. Bleibe noch länger, rudere mit mehr Mannschaften und tanze auch wieder.

Anke Winter

Vereinsregatta 20 Andreas Gutsche2

Foto: Andreas Gutsche

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Foto: Felix Schulte Herbrüggen

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Foto: Andreas Gutsche

Interne2020 Felix Schulte Herbrüggen2

Foto: Felix Schulte Herbrüggen

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Foto: Felix Schulte Herbrüggen

Inklusion ohne darüber zu reden

Christiane Möller ist eine Ruderin wie viele andere. Sie liebt ihren Sport über alles. Mehrmals in der Woche steigt sie ins Boot und genießt die Bewegung an frischer Luft. „Morgens liebe ich die Ruhe und totale Friedlichkeit auf dem Wasser“, sagt sie. „Abends nach der Arbeit komme ich runter“. Seit 2016 ist sie Mitglied im Ruderklub am Wannsee. Sie fühlt sich dort heimisch, hat extra ihren Wohnsitz in die Nähe verlegt. Sie kennt viele Vereinsmitglieder und viele kennen sie. Egal wann sie zum Rudern kommt – sie ist nie allein. Es findet sich immer ein Team, mit dem sie losfahren kann. Das ist wichtig für sie, denn sie ist von Geburt an nahezu blind. 

 Die 39-Jährige hat Rudern schon als Jugendliche gelernt. In Marburg, wo sie ihr Abitur gemacht hat, war es Schulsport. Als sie nach ihrem Jura-Studium und den ersten Jobs 2015 nach Berlin kam, suchte sie einen sportlichen Ausgleich zu ihrer Arbeit als Justitiarin im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Sie hatte zuvor auf höchstem Niveau Goalball gespielt, eine Mannschaftssportart für blinde und sehbehinderte Menschen. Sie vertrat Deutschland bei zwei Paralympischen Spielen. Aber nach dem Einstieg in den Berufsalltag änderten sich ihre Prioritäten: „Goalball ist mit sehr viel Konzentration aufs Hören verbunden. Das wurde mir zu viel. Ich wollte lieber Sport draußen und mit Sehenden zusammen machen,” sagt sie. 

 Der Mann einer Arbeitskollegin empfahl ihr den Ruderklub am Wannsee. „Rudern ist eine tolle Bewegung, beansprucht den ganzen Körper,” schwärmt sie. Aber ganz besonders wichtig ist für sie: „Ich kann das Gleiche machen wie die anderen, ganz gleichberechtigt, – egal, ob es ums Rudern oder hinterher ums Bootputzen geht”. Sie findet gut, dass auf diese Weise Inklusion stattfindet – ohne ständig darüber zu reden. Sie ist dankbar, dass das beim RaW so gut funktioniert: „Ich nehme eine große Offenheit wahr, ich wurde selbstverständlich in die Gemeinschaft aufgenommen.” Sie macht alles mit, was sie sich zutraut: Skiff fahren, Riemenrudern, Wanderfahrten. Letztes Jahr war sie bei der Wanderfahrt auf dem Rhein mit dabei, als es tagelang in Strömen regnete. An heißen Tagen rudert sie nach Kälberwerder zum Baden. Eine ihrer Lieblingstouren ist die 17-Kilometer-Umfahrt um die Wannseeinsel. 

 Kann sie etwas nicht, dann sagt sie es geradeheraus: „Wenn wir bei Wanderfahrten irgendwo anlegen, wo es keinen richtigen Steg gibt, dann bitte ich jemanden, mir zu helfen. Klar zu sagen, was geht und was nicht, ist wichtig – für alle.” Sie hat keine Scheu, ihre Vereinskameraden ihr gegenüber auch nicht. Obwohl Christiane Möller gut rudern kann, will sie weiter an ihrer Technik arbeiten und sich verbessern. Deshalb fährt sie auch gern mal mit einem Renn-Einer. Sie hört dann auf die „Steuerbord“- und „Backbord“-Rufe ihrer Begleitung. „Natürlich fahre ich immer ein bisschen Schlängellinie. Aber wenn ich nicht sauber rudere, dann spüre ich das unmittelbar und weiß, dass es definitiv an mir liegt.” Das Feedback ist ihr wichtig. „Ich kann ja keine Videoauswertung machen.” 

 Für Christiane Möller ist Rudern ein idealer Sport für Sehbehinderte: „Im Boot gibt es in der Regel ganz präzise Ansagen und man kann über das eigene Bootsgefühl den Rhythmus genau nachvollziehen und übernehmen.” Rudern ist für sie wie geschaffen: „Beim Rudern ist die Welt in Ordnung“. 

 Text: Angela Baufeld, LRV Berlin Foto: Irene Thiede

Christiane März 2020

 

Segelwetter-Info

Genaue Wettervorhersagen finden Sie auf der Seite des WassersportInformationsDienst Berlin.
Ab einer Windgeschwindigkeit von >29 km/h (Windstärke 5) sollte nicht mehr gerudert werden. Siehe Windstärke-Tabelle

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